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Kolumbien III – … wanting to stay!

21.08. – 01.09.2016

Nach 2 anstrengenden Fahrtagen erreichten wir endlich das Kaffeedreieck von Kolumbien. Nachdem Thorben noch kein einziger Kaffee in Kolumbien geschmeckt hat, machten wir uns auf die Suche nach dem, woran man neben Drogen, als erstes bei Kolumbien denkt.

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Nahe Manizales verliessen wir die Hauptstrasse, fuhren mitten durch die Kaffeeplantagen und liessen uns auf einer der vielen Kaffeefarmen nieder.

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Unser Hostel …

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…und der Obstgarten

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Pünktlich um 9:30 Uhr am nächsten Morgen saßen wir, zusammen mit jeder Menge anderen Reisenden, in einer kleinen Outdoor-Küche und bekamen eine Stunde Theorieunterricht in der Geschichte des Kaffees.

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Mit dem Hinweis, dass jeder Teilnehmer Kaffee bis zum umfallen trinken kann, war die Maschine dementsprechend im Dauereinsatz.

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Anschliessend gingen wir zur Praxis über und marschierten durch die riesige Kaffeeplantage und durften pflücken was das Zeug hielt. Die Kaffeepflanzen werden größtenteils in extrem steilen Gelände angebaut und geerntet wird in Handarbeit. Ein Pflücker wird nach Kilo bezahlt, daß sind 500 Pesos, also umgerechnet 0,20 Euro.

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In der nahe gelegenen Fabrik wurde dann die Verarbeitung erklärt. Hier werden die Früchte gewaschen und die Bohnen von der Hülle getrennt. Anschließend wandern die zuckersüßen Bohnen ins Wasserbad und hier entscheidet sich, was Premium und was 2. Wahl ist: Die guten sinken nach unten. Dann werden sie getrocknet, von der Restschale befreit und Bohne Premium wird zum Hauptabnehmer Deutschland exportiert, wo sie vor Ort geröstet werden. So entstehen am Ende aus 5 Kilo Kaffeefrüchten 100 Gramm Kaffee und wir wissen wir nun, warum der Kaffee in Kolumbien so bescheiden schmeckt: Alles 2. Wahl.

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Wenn man schon im Kaffeedreieck unterwegs ist, dann führt kein Weg an Salento – dem ältesten Ort dieser Region – vorbei. In einem Backpacker Hostel am Ortsrand, bei angenehmen Temperaturen und einem fantastischen Ausblick in das Tal verbrachten wir ein paar erholsame Tage. Der Pfad ins Örtchen war breit und weitestgehend ohne viel Verkehr, die ausnahmsweise mal vorhandenen Gehwege ohne lästige Hürden. Also packten wir das erste Mal den Fahrradanhänger aus und schlenderten durch die farbenfrohen Gassen und mussten keine Kinder schleppen. Nur ab und zu den ganzen Anhänger, wenn uns Pfosten vor Brückenübergängen den Weg versperrten.

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Keine 20 Kilometer weiter liegt das Valle de Cocora. Hier sieht man überall Wachspalmen, die mit bis zu 60 Metern zu den höchsten der Welt zählen und der Nationalbaum Kolumbiens sind. Bis hoch in den Nebelwald sieht man sie stehen und über eine gemütliche Wanderung liessen wir die Umgebung auf uns wirken.

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Nachdem wir uns in den letzten Wochen viele Städte angeschaut haben, zieht es uns nun wieder in die Einsamkeit. Das heißt für uns erneut die Kordillere zu überqueren, diesmal aber von West nach Ost in den Süden. Kaum vorstellbar, wie sich die Landschaft änderteEs wurde stetig heisser und trockener und plötzlich waren wir umringt von meterhohen Kakteen in Kolumbiens Wüste – der Desierto te Tatacoa.
Eine 330 Quadratkilometer grosse Trockensavanne bestehend aus rot und grau gefärbtem Land, in das die Erosion bis zu 20 Meter tiefe Canyons geschaffen hat. Wir passieren winzige lange Tunnel und abenteuerlichen Brücken ohne Brüstung oder Gewichtsangaben, geniessen die Pistenfahrt, Landschaft und vor allem die plötzliche Einsamkeit – 
bis vor uns 2 Radfahrer mit deutschem Nummernschild auftauchen. Anja und Radko, ebenfalls auf der Panamericana unterwegs. Wir verabredeten uns auf ein Bier und fuhren schon mal vor.

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Das Thermometer kratzte an der 40 Grad-Marke und der Pool mitten in der Wüste wartete schon auf uns.

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Am Nachmittag zog zum Glück Wind auf und machte das Ganze erträglicher.

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Zusammen mit unseren Radfahrern verbrachten wir einen geselligen Abend, tauschten Reiseerlebnisse unter einem grandiosen Sternenhimmel aus, der zur Geisterstunde in den von den Bewohnern freudig erwarteten Regen überging.

Nach ein paar Tagen hatten wir aber wieder genug vom schwitzen und setzen unsere Reise fort in Richtung Westen nach San Augustin. Schon wieder ab auf die andere Seite der Cordillera, wieder von Ost nach West und mittlerweile schon das vierte Mal. Und tatsächlich, nur 50 Kilometer weiter haben wir bereits 15 Grad weniger. Wir schraubten uns in ständigem Wechsel bergauf und bergab durch eine atemberaubende Landschaft aus sattem Grün, dicht bewachsenen Bergen und Schluchten mit reissenden Flüssen im Quellgebiet der drei grössten Ströme Kolumbiens. Obwohl die FARC erst vor kurzem den Friedensvertrag mit der Regierung unterzeichnet hat und eigentlich nicht mehr mit Anschlägen des seit 50 Jähren währenden Bürgerkriegs zwischen den beiden Parteien gerechnet werden muss, war noch überall Militär präsent. Die Militärkontrollen waren immer überaus freundlich und wenn der jeweilige Daumen bei den Militaristen am Strassenrand hochgehalten wurde, wusste man, dass die Strecke bis zum nächsten Militärposten abgesichert ist.

Etwas ausserhalb des Ortes trafen wir durch Zufall unsere Freunde Manni und Daggi wieder, die uns auf der grossen Wiese des schönen Campgrounds freudig in Empfang nahmen. Gemeinsam besuchten wir die Stadt und verbrachten den gesamten Folgetag, um die zum UNESCO Weltkulturerbe gehörigen archäologische Fundstätten zu erkunden. Vor ungefähr 5.000 Jahren lebten in der Region zwei indigene Völker, die aus Lavastein und Basalt gehauene Statuen, sowie Grabanlagen und Erdwälle schufen und die heute zu den bedeutendsten und geheimnisvollsten des Kontinents gehören.

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Die nächste Tagesetappe in Richtung Süden zog sich aufgrund des ständigen Auf–  und Abs extrem in die Länge, und Hinzu kamen Umleitungen wegen Erdrutschen und wahnsinnigen Autofahrern, die wirklich an jeder möglichen und unmöglichen Stelle überholten. Im letzten grossen Ort vor der Grenze machten wir einen Einkaufsstopp, da Ecuador, abgesehen vom Diesel, ein teueres Pflaster ist. Notgedrungen mussten wir mal wieder in der Dunkelheit fahren und erreichten völlig fertig das Hostel, wo bereits Manni und Daggi auf uns warteten. Aufgrund Umbauarbeiten war gerade noch so Platz für uns zwischen den Schuttbergen und Spinnennetzen. Für mich war noch lange kein Feierabend in Sicht, bis spät in die Nacht war ich noch beschäftigt, den Geburtstagskuchen für Thorben zu backen, den wir dann früh am nächsten Morgen in aller Eile verdrückten.

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Levi überreichte das Geschenk: Ein Fussballtrikot von Atlético Nacional, dem diesjährigem Gewinners des Copa Libertadores aus Me dellin, für das Geburtstagskind

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Der Grund für unseren überstürzten Aufbruch war neben Kuchen und Trikot eine ganz Geburtstagsfahrt: Trampolin de la muerte –  die Todesstrecke in Kolumbien! Zwischen 200-300 Toten im Jahr, also plumpst im Durchschnitt fast einer täglich runter. Unsere Route legten wir extra so, dass wir die Piste von Mocoa nach Pasto befahren konnten, welche eben diesen schönen Beinamen „Sprungbrett in den Tod“ trägt. Dies steht für eine enge Piste, steile Abhänge ohne Leitplanke und nebelverhangene Wälder.  Die Strecke ist landschaftlich wunderschön und darüber hinaus auch fahrtechnisch wieder mal ein bisschen herausfordernd. Wenn es neben einem steil den Abhang hinunter geht, betet man doch schon mal, dass man bloss nicht abrutschen werde.

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Hinzu kam, dass wir zwar noch circa 250 Liter Diesel an Bord hatten, jedoch an manchen steilen Passagen der Motor schon stotterte, da der komplette Treibstoff im hinteren Teil von unseren Tanks verschwand, die Ansaugung sich jedoch vorne befindet.

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Wir genossen die Tour in vollen Zügen –  immer ein Auge auf der Tankanzeige – , hinter jeder Kurve steckte eine neue Überraschung. Sei es denn ein Wasserfall der durchfahren werden musste, engste Kurven an denen genau an dieser Stelle natürlich ein LKW entgegenkam, weggerissene Leitplanken und auf dem Pass der beste Käsekuchen von ganz Kolumbien.

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Einige Kilometer Impression von der Strecke

Und so benötigten wir mit vielen Fotostopps doch 8 Stunden für die 120 Kilometer lange Strecke bis zur Laguna de la Cocha auf 2.780 Metern. Dort regnet es bis auf drei Monate im Jahr praktisch immer, aber wir hatten Glück. Es war lediglich saukalt.

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Passend dazu kann man auf dem Spielplatz des Restaurants bei dem wir übernachteten auf Schlitten die Wiese herunterrutschen.

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Das nahegelegene Örtchen El Puerto erinnert ein bisschen an Holland Mit seinen Blumengirlanden, bunt bemalten Schnitzereien, Holzbrücken und Wasserkanälen.

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Bevor wir Kolumbien nun endgültig Adiós sagten, unternahmen wir noch einen Abstecher in den Wallfahrtsort Las Lajas, dem Ort der wunderbaren Begegnungen. Da wir direkt vor der Seilbahn parkten, konnten wir am nächsten morgen direkt los starten, bevor wir gegen Mittag nach Ecuador einreisen wollten. Es stellte sich als weise Entscheidung heraus, denn die Seilbahn verdient das Prädikat „langsamste Seilbahn der Welt“. Mit 3 Km/h Schritttempo schlichen wir in den Canyon hinein und konnten somit ausgiebigst die Umgebung bestaunen.

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Nach einer gefühlten Ewigkeit standen wir mitten im Canyon und vor uns die Kirche im neugotischen Stil. Ein imposantes Gebilde gestützt auf Pfeiler einer Steinbrücke, die in 45 Meter Höhe den wild rauschenden Fluss überspannt. Erbaut wurde sie, nachdem 1754 einem taubstummen Mädchen die Jungfrau Maria begegnet ist und darauf hin wieder sprechen konnte. Nebst diesem Wunder soll es noch viele weitere gegeben haben, wenn man den Tafeln glaubt, die einem auf dem Weg hinunter zur Kirche begleiten. Jedes Jahr, besonders in der ersten Septemberhälfte, pilgern Scharen von Menschen aus ganz Kolumbien und Ecuador hierher um Heilung zu erbitten.

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Heiliges Flusswasser zum Mitnehmen

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Mit soviel Gottes Segen auf dem Weg, rollten wir nach fast 2 Monaten in Kolumbien auf die Grenze Ecuadors zu – und waren nicht die Einzigen. Es erwartete uns eine lange Schlange von LKWs und PKWs und das übliche Gewusel von Händlern und Geldwechslern.

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Dafür gab es an der Migration den Kinderbonus –  wir durften uns an den Wartenden vorbeimogeln und waren nach nicht einmal 5 Minuten freundlich und hochprofessionell durch mit der Passkontrolle.

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Von keinem anderen Land zuvor haben wir bisher soviel Positives gehört wie von Kolumbien und dem möchten wir uns auf jeden Fall anschliessen. Die Menschen sind aufgeschlossen, herzlich und hilfsbereit, dass man sich hier auf Anhieb wohl fühlt.  Auch wegen der Sicherheitslage hatten wir nie irgendwelche Bedenken und konnten alle Strecken fahren, die wir wollten. 

Für uns war Kolumbien ein absolutes Highlight unserer bisherigen Reise und es wird bestimmt nicht beim letzten Besuch bleiben – spätestens wenn Baby Levi im heiratsfähigen Alter ist. Die Kolumbianerinnen von 5 – 85 Jahren schmolzen nur so dahin und eine davon wartet nur noch darauf, unsere Schwiegertochter zu werden 🙂

 

 

 

 

 

 

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