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Paraguay – Im Land der roten Erde

07.04. – 21.04.2017

Touristisch kaum erschlossen liegt das kleine Binnenland Paraguay im Herzen Südamerikas. Zwischen Bolivien, Argentinien und Brasilien, die mit spektakulären Attraktionen zum entdecken einladen. Große Highlights sind in Paraguay nicht zu finden. Kein Meer, keine markanten Gebirgszüge, kaum imposante Sehenswürdigkeiten. Und trotzdem, oder gerade deswegen ein Grund für uns, das Land zu bereisen.

Auf den letzten Metern brasilianischen Bodens stockte der Verkehr und hektische Betriebsamkeit lag in der Luft. Unzählige Plakate werben für das Einkaufsparadies Paraguay und lockt die Brasilianer zum Shoppen von Schmuggelware zum Dumpingpreisen. Es war Samstag und der Grenzübergang glich einem Taubenschlag. Um den Massen Herr zu werden, ist für Tagesübertritte keine Registration von Nöten. Ohne den Laster zu verlassen erhielten wir die Ausreise gestempelt, für die Fahrzeugpapiere musste ich mir einen Wolf rennen und lebensmüde zwischen den Massen passierender Autos und Motorrädern umherspringen. Keiner der Beamten wusste, wo sich der Zoll befindet. Jeder schickte mich in einen anderen Winkel des Geländes. Kurz bevor ich aufgeben wollte, stellte sich die vermeintliche Toilettenfrau eines kleinen, zwischen den großen Abfertigungshallen befindlichen Container als Zuständige heraus.

Hässliche Hochhäuser der Grenzstadt Ciudad del Este und ein Schilderwald an Shoppingangeboten sind der erste Ausblick wenn man die Brücke über den Grenzfluss Rio Paraná überquert.

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Auf den zweiten Blick wird es nicht schöner, aber das wilde Treiben zog uns in seinen Bann und wir wollten sofort dabei sein. Per Motorrad wurden wir zu einem Parkplatz gelotst und konnten uns auf Schnäppchenjagd in einer anderen Welt begeben. Lärm, überall ist es schmutzig in den engen Gassen, die vielen Marktstände sind bis unter die Plastikplane vollgestopft mit allem was man sich nur vorstellen kann. Ist etwas ausverkauft, schleppen flinke Männer umgehend Kartons mit neuer Ware herbei. Es herrscht ein unübersichtliches Gewimmel und fast wird einem schwindelig  vom Staunen, Suchen, Ausweichen und vor allem vom Taschen und Kindern festhalten damit nichts weg- oder unter die Räder kommt.

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Wir kaufen günstig Kinderkleidung und auch ein neues Handy, um kurze Zeit später eine böse Überraschung zu erleben. Schmuggler sind Gauner und einige der Verkäufer Meister der Illusion. An Levi’s Shirt fiel nach kürzester Zeit der erste Knopf ab, die Nähte lösten sich wie von Geisterhand, und das neue Handy stellte sich als Mogelpackung heraus. Vertrauensvoll präsentierte er uns das Originalmodell und tauschte es unbemerkt gegen ein Spielzeug aus. Außen ein Markenprodukt, innen feinste Fälscherware. Wir waren vorgewarnt und aufmerksam, trotzdem ist es passiert, das Lehrgeld musste bezahlt werden und wird uns in Erinnerung bleiben. Die Währung des Landes, der Guarani, ist selbst bei geringen Beträgen im sechsstelligen Bereich, und wenn man schon mal Millionär ist, kann man das verschmerzen.

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Lässt man Ciudad del Este hinter sich, zeigt sich Paraguay von einer ganz anderen Seite. Wir saugten die neuen Eindrücke regelrecht auf. Grün ist die Farbe, die hier fast alles dominiert. Kleine bunte Holzhäuser leuchten mint, lila, weinrot oder rosa hervor und als ob weit und breit kein Platz wäre, stehen sie direkt an der Hauptverkehrsroute.

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Weicht man von den wenigen geteerten Hauptstrassen ab, durchziehen leuchtend rote Erdpisten das Land.  Zu beiden Seiten wachsen so weit das Auge reicht hohe rote Türme in den Himmel, die Termiten zu ihren Hügeln aufschichten. Ein wunderschöner Anblick, wenn die Sonne vom Himmel strahlt, der Himmel blau leuchtet, getupft mit weissen Wölkchen, sattgrünen Wiesen durchzogen von sattem Rot. Bei Regen verwandeln sich die Straßen in schmierige Schlammlandschaften. Sie bluten regelrecht aus und verwandeln die Umgebung in ein Schlachtfeld. Nur wenige Tage vorher war es soweit und Levi ließ einfach mal die Hand von Papa los und unternahm seine ersten eigenen Schritte. Wir freuten uns alle riesig über diesen Meilenstein. Die Technik war mittlerweile gut ausgefeilt und ich als Waschmaschine erleichtert, zum bestmöglichen Zeitpunkt kein Krabbelkind mehr zu haben. Grund für die Färbung der Erde ist ein hoher Eisengehalt und hat einen Nachteil: Die rotbraune Farbe bleibt an allem hartnäckig haften, was damit in Berührung kommt und oftmals hilft nur ein zweiter oder dritter Waschgang.

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Wie auch schon in Zentralamerika trocknet die frisch gewaschene Wäsche vom Fahrtwind der vorbeiziehenden Autos und ich bewundere erneut die Unterwäsche der Bevölkerung. Auf den Straßen ist wenig los und was uns entgegenkommt ist ebenso farbenfroh. Lebhafte Städtchen, klapprige, bemalte Busse und am Strassenrand seit langem wieder kleine Stände, die Lebensmittel verkaufen.

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Besonders faszinierend sind die Kräutertische, welche überall anzufinden sind und bereits von weitem die Luft mit ihrem würzigen Geruch erfüllt. Auch hier wird gerne und viel Mate-Tee getrunken. Im Gegensatz zu den Nachbarn Argentinien und Brasilien Térére genannt und am liebsten mit eiskaltem Wasser. Die Auswahl ist gigantisch und wird ergänzt durch verschiedenste Kräuter, die je nach Befinden die Gesundheit verbessern sollen.

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Auffällig ist die hohe Waffenpräsenz im gesamten Land. Vor Banken, Tankstellen und sogar Supermärkten steht bewaffnetes Sicherheitspersonal. Auch auf der Straße wurden wir immer wieder von der Polizei für Kontrollen angehalten und holten jedesmal Fahrzeugpapiere, Versicherung, Führerschein aus unserem Versteck heraus. Der Ablauf war stets gleich: Der Beamte füllte seinen Mate aus der mitgebrachten Thermoskanne auf, trank erst einmal gemächlich, warf einen neugierigen Blick in den Laster, wir beantworteten Fragen zu unserer Reise und packten die Dokumente ungesehen wieder ein.

Die Freundlichkeit der Bevölkerung ist wirklich erlebenswert. Jeder wird gegrüßt, selbst von weitem winkt man sich zu und ist schnell in ein Gespräch verwickelt. Neben Spanisch ist die indigene Sprache Guarani neben 20 weiteren die meist gesprochene im Land, und so begegneten wir leider immer wieder Menschen, die wir nicht verstehen konnten. Die Paraguayer gelten als die glücklichsten Menschen der Welt, obwohl das Land neben Bolivien das zweitärmste in Südamerika ist. Die Unterschiede im sozialen Status sind klar erkennbar an Steinhäusern mit Glasfenstern und gepflegtem Rasen und den in der Mehrheit vorkommenden halb verfallenen Hütten mit Plastikfolien als Fensterscheiben und rotem Lehmboden vor der Haustür. Immer wieder sahen wir ganze Familien ohne ein Dach über dem Kopf mit ihrem wenigen Hab und Gut neben der Straße im Gras sitzen. Dazwischen kleine Kinder und Babys. Sowas zu sehen löste bei mir als Mensch und Mutter eine Gänsehaut aus. Wenn sich die Gelegenheit ergab, verschenkte ich Spielzeug, Kleidung und Essen. Von den Frauen erntete ich nur starre Blicke, die Verwunderung, Scham oder Stolz bedeuten konnten. Die Männer als Familienoberhaupt dagegen überschlugen sich mit Händeschütteln und freundlichen Worten. Von den Kindern sah ich nur kurz leuchtende Augen und kleine Hände, die sofort nach dem Spielzeug und den Süssigkeiten griffen, so wie es sich gehört. Vielleicht sind auch diese Menschen auf ihre Art glücklich, zumindest aber haben sie sich die Herzlichkeit haben sie sich bewahrt.

Weiter südlich macht sich das erste Mal der deutsche Einfluss bemerkbar. Durch Krisen und Weltkriege haben sich viele Auswanderer aus Deutschland in Paraguay Kolonien gegründet und machen in mehreren Siedlungen bis zu 7 Prozent der Bevölkerung aus. Sie leben meist unter sich und pflegen Sitten und Traditionen, wie es Straßennamen und Bauwerke bezeugen – und es wird Deutsch gesprochen. Ein großes hölzerneres Fachwerkportal kündigt bereits von weitem die kleine Stadt Hohenau an, und sieht man genauer hin, prangt hier in grossen Lettern der Spruch: „Fühl Dich wie zu Hause“.

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Das taten wir dann auch. Es regnete wie aus Eimern und wir verbrachten mehrere Tage eingesperrt im Laster und stopften uns mit Pflaumenmus, Spätzle und Blaukraut voll. 3 Tage tobte ein Unwetter mit kräftigen Gewittern und verwandelte unseren Stellplatz bei deutschen Auswanderern in eine Sumpflandschaft. Selbst die kleinste Spalte im Laster fand das Wasser und wir soffen regelrecht ab während um uns herum weisse indische Kühe grasten, die aufgrund der nicht seltenen Dürren des Landes importiert wurden und hier hervorragend zurechtkommen. In den Regenpausen stapften wir barfuss durch die knietiefe Matsch- und Pfützenlandschaft zu einer Tapirfamilie, die vor kurzem Nachwuchs bekommen hatte.

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Als der Himmel endlich wieder blau anzeigte verließen wir unser Domizil, machten einen professionellen Ölwechsel bei der deutschen Tankstelle und fuhren weiter in das südlichste Eck des Landes.

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Im nahen Grenzgebiet zu Argentinien finden sich mehrere Ruinen und die schönste, am besten erhaltene davon steht in Trinidad, am Gipfel eines saftig grünen Berges.
Mitten im wild fremden Dschungel richteten die religiösen Fanatiker ihre Hütten ein, bekehrten die Indianer zum Christentum, und lehrten sie in Landwirtschaft, Lesen und Schreiben und handwerklichen Fertigkeiten. So entwickelte sich ein weitgehend eigenständiger Jesuitenstaat, bis die Jesuiten schließlich Ende des 18. Jahrhunderts endgültig vertrieben wurden. Die Anlage wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt – bislang das einzige, das es in Paraguay gibt. Trotz des berühmten Titels ist von Besucherströme keine Spur. Hier kann man inmitten der Bauwerke, bestehend aus Komponenten des ursprünglichen Komplexes wie Kirche, Wohnhäuser, Schulen, Läden und Gärten ungestört auf eine Zeitreise gehen.

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„Beim Stöbern im Internet sind wir auf Eure Homepage gestoßen. Wir können nicht verstehen, warum viele Reisende einen Bogen um Paraguay machen. Es ist ein herrliches Land mit liebenswürdigen Menschen und viel Natur. Wir (René, Schweizer und Marion, Deutsche) leben seit über 10 Jahren hier und es gefällt uns sehr gut. In Altos, eine Stunde von der Hauptstadt Asunción entfernt, führen wir eine kleine Pension mit Wohnmobilstellplatz. Wir würden uns freuen, Euch bei uns begrüßen zu dürfen. Herzliche Grüße aus Altos, Paraguay, Südamerika von
René und Marion“

So lautet ein Eintrag im November 2015 in unserem Gästebuch. Diese nette Einladung konnten wir nicht ausschlagen und statteten den beiden Auswanderern einen Besuch ab. Wir wurden herzlichst empfangen und ergatterten gerade noch so den letzten Stellplatz.

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Kein einziger Overlander begegnete uns in den vergangen 2 Wochen, was uns im Nachhinein nicht mehr verwundert, da wir hier in Altos fündig wurden: 10 Fahrzeuge, 23 Personen. Davon 1 Partei aus der Schweiz, der Rest aus Deutschland.

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Etliche Kinder waren dabei, ein Sandkasten für die Kleinen, ein Pool für die Kleinen und Großen – also ideale Vorraussetzungen um über die Osterfeiertage inmitten des grossen tropischen Gartens hängen zu bleiben.

Fast unser gesamtes Spielzeug besteht aus Geschenken entlang der Panamericana. Je nach Ländern und Kontinenten unterscheiden sich die Vorlieben der Kinder. Sind es in Europa niedliche Tiere wie Kuh, Pferd und Katze, wird in Südamerika gerne mit den heimischen Exemplaren gespielt. So zählen einige kleine und große Gummispinnen zu unserem Bestand, maßstabs- und originalgetreu. Eines morgens stellte sich das angeblich vergessen aufzuräumende Tier als recht lebendig heraus und es war endgültig an der Zeit, diese für den restlichen Aufenthalt im Regenwald auszusortieren.

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Samstags ist in San Bernadino Wochenmarkt und für viele ein fester Termin um Leberkäse, Lachsschinken, deutsche Backwaren und diverse deutsche Importwaren zu kaufen. Die Veranstalter samt Händler sind allesamt deutsche Auswanderer und pflegen auch in Paraguay die deutsche Kultur. An der Bratwurstbude schlossen wir neue Bekanntschaften mit den Einwanderern und erfuhren bei Kaffee und Kuchen den neuesten Klatsch. Es gab mächtig Streit, Missgunst und Intrigen. Mit der Folge dass es nun 2 Wochenmärkte gibt, weit von einander entfernt. Wir besuchten also zwei Wochenmärkte und bei beiden Parteien wurde fleißig über die anderen gehetzt – das unterstrich die deutsche Atmosphäre und unser Heimatgefühl.

 

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Sogar echte Schokoladenosterhasen waren vertreten, die am Ostersonntag in den frühen Morgenstunden ein lieber Overlander für unsere Kinder eine Überraschung bescherte.

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Bei mir machte sich langsam der Lagerkoller bemerkbar und die Osterzeremonie in Altos war ein guter Grund rauszukommen. Frisch abgezogen sei die Piste bis in den 5 Kilometer entfernten Ort und ich nahm Dankbar das angebotene Fahrrad entgegen. Der Ypacarai See, umrahmt von der malerischen Hügellandschaft des Altos-Gebirges und prächtigen Kaiser-Palmen – ein Vergnügen für die Sinne – jedoch nicht mit dem Fahrrad. So schob ich und fluchte meist, erholte mich während der Prozession, wischte mir den Schweiss von der Stirn, während vorbeiziehende weiß gekleideten Mädchen ihre Dornenkronen trugen.

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Nach ein paar Tagen ausruhen in der Sonne und gemütlichen Grillabenden zogen wir weiter in den nahegelegenen Nationalpark Ybycui. Einer der Highlights in Paraguay und der beste Ort, um die Natur zu erkunden. Hier im Osten des Landes befindet sich der letzte subtropische, jungfräuliche Regenwald und bereits die Anreise in den Naturpark verspricht Abenteuer. Abseits der Hauptroute, die kreisförmig durch das Land führt, erwarten einen die berüchtigten roten Pisten. Spitz zulaufend, mit tiefen Schlaglöchern. So fuhren wir meistens am Hang und ließen uns kunstvoll in  Schräglage durchschütteln.

Mit den ersten Sonnenstrahlen des nächsten Tages starteten wir die Wanderung durch den dichten eindrucksvollen Tropenwald. Der herrliche Weg führt direkt am Flussufer entlang und es schien, als müssten wir uns den Weg durch das üppige Grün erkämpfen. Zwischen messerscharfen Blättern hindurch, vorbei an tief  hängende Lianen, über rutschige Felsen springen, um dem Wasserlauf zu folgen. Das alleine brachte uns schon ins Schwitzen, mein Job bestand zudem noch nach als erste in der Reihe nach Tieren Ausschau zu halten. Ich stampfte laut, um Schlangen zu verscheuchen und mit meinem Spazierstock große quer über den Pfad hängende Spinnennetze hochzuheben, in denen die Rot-Gelben Bauherren auf Beute warteten.

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Der einstündige Hike endete an einem der vielen schönen Wasserfälle, der sich malerisch in einer kleinen Felsbucht in den Fluß stürzte.

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Dort tranken wir direkt aus der Quelle das erfrischende Nass, folgten dem Fluß in entgegengesetzte Richtung und belohnten uns nach der schweißtreibenden Tour in den vielen kleinen natürlichen Schwimmbecken am Ufer mit einer Abkühlung. Eine Vielzahl von Schmetterlingen in den unterschiedlichsten Farben rings um uns herum rundeten es zu einem perfekten Ganzen ab.

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Wir verließen den Nationalpark und folgten dem roten Sandfeldweg, der uns nach der holperigen Anreise alles abverlangte. Die sonst staubige Piste hatte der heftige Regen der vorangegangen Tage in eine lehmige Rutschbahn verwandelt, alles unterspült und viel war nicht mehr übrig geblieben. Große, breite Risse durchzogen die Fahrbahn und endeten im teilweise metertiefen Graben.

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Thorben hatte alle Hände voll zu tun, den Laster über den holprigen, schlammigen Untergrund zu lenken. Zu langsam bedeutete steckenbleiben, zu schnell abrutschen. So schlittern wir, mehr als wir fuhren, im Kriechgang. Teilweise in unserer eigenen tiefen Spur rückwärts. Und die lauten Fahrgeräusche wurden ergänzt durch lautes Rumpeln und Steinschlägen um dem Ganzen noch mehr Dramatik zu verleihen. Indes zogen dicke Wolken auf und kündigten baldigen Regen an, der die Piste in Sekundenschnelle in Schmierseife verwandelt hätte und ein Ende der Fahrt mit ungewissem Ausgang bedeutet hätte. Es waren schweißtreibende Stunden für uns beide. Ich krallte mich instinktiv am Haltegriff der Tür fest und versuchte, meine Sorgen vor den Kindern zu verbergen. Aber Frosch und Fahrer meisterten alles hervorragend und wir erreichten pünktlich zum Wolkenbruch die asphaltierte Hauptroute ostwärts Richtung Grenze, vorbei an unendlichen Feldern mit vereinzelten Palmen.

Das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluss und das befindet sich direkt an der Landesgrenze zu Brasilien. Der Itaipu-Staudamm. Eine Sehenswürdigkeit, nicht nur für Ingenieure aufregend. Das imposante Gemeinschaftsbauwerk von Paraguay und Brasilien ist ein riesiges Wasserkraftwerk, dass beide Länder mit Strom versorgt. Bis zur Fertigstellung des chinesischen 3 Schluchten Stausees war es das grösste Kraftwerk der Welt und ist in seiner Effizienz seinem grösseren Bruder ganz klar überlegen. 75% des paraguayischen und 25% des brasilianischen Strombedarfes werden hier abgedeckt. Bei der kostenlosen Führung wurden wir 2 Stunden lang mit allen Details zur Stromgewinnung versorgt. Die ersten interessanten Einblicke erhielten wir im hauseigenen Kino. Auf roten, samtbezogenen Bänken sitzend staunten wir über einen aufwendig produzierten Imagefilm über den Bau dieser gigantischen Meisterleistung und die umliegenden Naturreservate, untermalt von dramatischen Musikelementen aus dem allerneuesten Soundsystem. Völlig beeindruckt stiegen wir anschliessend in den hauseigenen Omnibus und fuhren durch das Gelände. Hinter einem Wald aus Strommasten befinden sich die Schleusen, welche bei zu hohem Wasserstand geöffnet werden und die Ablass-Schanze als 90 Meter hoher Wasserfall herunterschiesst und als mächtige Fontäne emporschiesst. Knapp 8 Kilometer Länge umfasst der gesamte Damm. Eine gelbe Linie zeigt exakt die Länderzugehörigkeit an, und zur allgemeinen Verwirrung wechselte der Bus ständig zwischen Paraguay und Brasilien hin und her.


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Die 18 hintereinander stehenden gewaltigen Turbinen stehen in einem Kilometer Länge auf der 20o Meter hohen Staumauer. Im Inneren der Betonwände offenbaren sich die riesigen Generatoren und die gewaltigen Kräfte sind durch die leicht zitternde Mauer spürbar.

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Nicht erwähnt wurde allerdings, dass etwa 700 Quadratkilometer Regenwald geflutet und Wasserfälle, noch grösser als die Iguazu-Fälle, vernichtet wurden. Die Staudammbetreiber erhielten eine Menge Auflagen , unter anderem auch den Bau eines Campingplatzes in einem Nativwald zur kostenfreien Nutzung für jedermann. Dort standen wir einen Tag am Ufer des gestauten Rio Paraná, umgeben von dichtem Wald und exotischem Vogelgezwitscher bevor es am nächsten Tag für uns zurück nach Brasilien ging.

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