12.04.-20.04.2016

Ganz Mittelamerika wurde von Spanien kolonialisiert – ganz? Nein, ein kleiner Landstrich zwischen Mexiko, Guatemala und Honduras wurde Teil des englischen Königreichs: Belize. Hier ist alles anders als im Rest von Zentralamerika. Hier spricht man Englisch, Kilometer heissen Meilen, getankt wird in Gallonen. Lediglich das Fahren auf der falschen Seite bleibt uns erspart.

Nach sage und schreibe 5 Monaten Mexiko fahren wir endlich weiter. Mit unserem kleinen Mexikaner im Gepäck verlassen wir ganz fix und unproblematisch das Land und reisen nach Belize ein.

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Ganz so easy war es dann doch nicht wie gedacht. Die Grenzstation ist extrem weitläufig und schon beim einfahren verloren wir die Übersicht. Trotz unseres tollen „Fahrplanes“ für die Grenzabwicklung. An der Immigration angekommen wurden wir sofort von Helfern belagert. Und der grösste Gauner der Grenze kam sofort auf uns zu. Wir müssten $15 USD Einreisegebühr für das Fahrzeug bezahlen. Da wir aber schon wussten, dass dies eine Abzocke ist, wimmelten wir ihn vorerst ab. Wir füllten die Einreisepapiere aus, die uns bei der Hitze beim schreiben am Arm kleben blieben. Zum abkühlen verzog ich mich in ein Nebenzimmer, da es keinerlei Sitzmöglichkeite in der grossen Halle gab. Dies stellte sich als Laggeraum für Bestechungsgüter der Grenzer raus, auf 5 Grad runtergekühlt für die Unmengen an Bier.

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Nach dem Stempeln der Pässe wurde der Frosch inspiziert und die zwei Bananen und drei Eier landeten im Müllsack des Grenzers. Und sofort hatten wir wieder den inoffiziellen Kassierer am Hals, diesmal mit Quittungsblock. Nach erneutem verweigern, drohte er uns mit der Polizei und wir baten ihm diese doch zu holen. Da wir noch zur Fumigation mussten, fuhren wir wieder einen Kilometer zurück um unseren Laster zu desinfizieren. Nach einem kurzen Blick ins Fahrerhaus, meinte der Mitarbeiter wir bräuchten nur die Quittung, Einsprühen nicht empfehlenswert, da wir Kinder hätten. Trockenen Frosches fuhren wir wieder zurück zum Grenzbalken. Dort hatte unser spezieller Freund mittlerweile weitere inoffizielle Grenzmitarbeiter zusammengetrommelt und blockierte die komplette Straße. Also ging ich zu dem offiziellen Grenzer, dieser meinte jedoch die Gebühr wäre nötig um die Kosten zu decken, die Ausländer an der Grenze verursachen. Nach einiger Zeit – wir kochten mittlerweile innerlich – schmissen wir im die $15 USD vor die Füße und fuhren nach Belize.

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Corozal, die erste Stadt nach der Grenze, direkt an der Bucht von Chetumal gelegen, gab uns Gelegenheit einen ersten richtigen Eindruck von Belize zu bekommen.  Komplett anders als Mexiko, obwohl nur wenige Kilometer Nordaufwärts an der Bucht gelegen.
Sind wir etwa in Jamaica gelandet? Ich war noch nie dort, aber genau so stell ich mir es vor! Die Häuser sind grösstenteils aus Holzbrettern zusammengezimmert und warten nur darauf, vom n ächsten Sturm wie ein Kartenhaus zusammenzufallen. Aus den wenigen Autos – die meisten Menschen sind mit dem Fahrrad unterwegs – dröhnt laut Reggae von Bob Marley. Die schwarzen Belizianer, Nachfahren afrikanischer Sklaven sind supercool, entspannt, offen, fröhlich und grüssen mit einem herzlichen Lachen im Gesicht. Bis in die späte Nacht spazierten wir durch die Strassen und fühlten uns absolut sicher. Die Grenzbeamten scheinen Ausländer zu sein oder unter Haschischentzug zu stehen.

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Die kleinen Supermärkte sind so gut wie ausschließlich in chinesischer Hand und verkaufen meist abgelaufene Artikel und Plastikschrott.

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Will man ins Restaurant, hat man die Auswahl zwischen Chinesisch oder Chinesisch.

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Über  Ruckelpisten, entlang an Plantagen von Zuckerrohr – das später in Rum verwandelt wird – fahren wir nach Westen in den Dschungel, dem Gebiet der Brüllaffen, bis zu Shane´s Camp.

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Die Rastaoase befindet sich oberhalb des Lamanai-Rivers. An dieser Stelle des Flusses soll es keine Krokodile geben, also kühlen wir uns erstmal ab bevor die Affen begrüsst werden. Direkt über dem Laster turnte eine grosse Familie herum, beäugte uns neugierig und liess sich füttern.

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Das brüllen der Affen begleitete uns noch den ganzen Tag, wie auch die laute, lässige Reggaemusik. Lässig und entspannt sind sie hier alle, das geht soweit, dass die ansässige Katze Othello einfachhalber einfach „O“ genannt wird. Shane´s Familie bekochte uns lecker mit traditioneller Kost – Reis, schwarze Bohnen und Huhn, die wir uns unter einem riesigen Cashew-Baum schmecken ließen. Immer wieder flogen kleine Kolibris vorbei, die über uns an den Blüten naschten.

 

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Die Nacht war wie erwartet laut, schließlich zählen die Baboons zu den zweitlautesten Säugetieren der Welt, man hätte meinen können eine Herde Löwen hätten nebenan gecampt und uns quasi die komplette Dunkelheit hindurch ins Ohr gebrüllt.

Wir fuhren weiter nach Hopkins.

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Das kleine Städtchen direkt am Meer gaukelt einem vor, direkt in Afrika gelandet zu sein. Bunte Holzhütten, rote staubige Erde, und die Einwohner schwarz wie die Nacht. Direkt am Strand finden wir einen tollen Platz mit Palapa, Hängematte und Bob Marley-Beschallung von der Bar.

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Die Palapa saugt mich am frühen Vormittags an, wo ich mit Levi im Arm bis in den späten Nachmittag bewegungslos verharre. Nicht nur, dass der Sand so heiß ist, dass es einem die Fußsohlen verbrennt und im Schatten sitzen das beste ist was man tun kann,  Die Mentalität der Belizianer ist höchstgradig ansteckend und genau mein Ding. Getoppt wurde das Ganze von einem Strandhändler. Packte vor meiner Nase alles auf dem Boden in den Sand, schmiss sich neben mich in die Hängematte und schlief ein. Das ganze nannte er dann später: Trying to make a Dollar!

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Romy und Thorben waren da aktiver und haben in der warmen Suppe vor unserer Nase gebadet.

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Um doch noch was Bewegung in den Tag zu bringen, spazierten wir durch das kleine Nest, wühlten dem Chinesen seine Regale durcheinander um was essbares zu kaufen,welches erst 2015 abgelaufen war und nicht schon Jahre vorher, schwatzen mit den Dorfbewohnern und gabelten unterwegs Bina und Hannes auf. Die beiden trafen wir noch in Mexiko vor der Grenze, dann unterwegs in Belize auf der Straße und hier endlich hatte sich unser Zeitfenster überschnitten. Bis zum nächsten Tag waren wir Nachbarn und hatten einen geselligen Abend bei reichlich Rum an der Bar.

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Die Hitze, vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit macht uns zu schaffen. Moskitos sind wider erwartens keine da, dafür springen einen sofort die Ameisen an wenn man stehen bleibt und Nachts fressen einen die Sandflies auf. Uns zieht es weiter.

Durch die Berge, kaum 200 Meter hoch, und doch für uns seit Monaten die erste Erhebung überhaupt, vorbei an Orangenplantagen – die über die gesamte 40 Kilometer lange Strecke entlang wuchsen – erreichten wir das Herz von Belize.

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Mitten im Dschungel liegt dort der Blue Hole Nationalpark und wir sprangen in das eiskalte Wasser des kleinen Kalksteinkraters. Eine willkommene Abkühlung zum Abschluss eines heißen Tages.

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Keine Meile weit davon entfernt begannen wir den nächsten Tag: Ein Schokoladen-Workshop Lamanai Chocolate. Vom rösten der bereits im Süden des Landes getrockneten Bohnen über dem mit Plastiktüten entfachten Feuer, bis zum schälen und dem anschließenden mahlen auf einem speziellen Stein der Maya´s war alles dabei. Die Hauptarbeit, war das mühselige Reiben, bis aus den Bröseln eine ölige Masse wurde überliessen wir dann unserer Lehrerin, die das ganze zum Schluss mit Zucker, Wasser und Sahne vermischte, aufkochte und uns zum verkosten kredenzte. Kein Vergleich zu der Schokolade, wie wir sie gewohnt sind. Lecker und intensiv, Schokolade pur!

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San Ignacio ist der letzte Ort vor der Grenze zu Guatemala.

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 Im knietiefen Fluss ließ es sich wunderbar erfrischen 

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und dort sind Erntehelfer von Sweet Lemon und Star Apple  gerne gesehen –  Leitern sind Mangelware und die schwer tragenden Bäume sowie die Landbesitzer haben es uns gedankt

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Gleich um die Ecke –  Spanish Lookout – eine riesige Mennoitengemeinde ganz im Westen des Landes . Die deutschen Auswanderer haben das Monopol für die Landwirtschaft in Belize, und das sie gute Farmer sind, ist unschwer zu erkennen. Land, wie es auch in Deutschland hätte sein können. Ordentliche, bewirtete Felder, gerade saubere Strassen, gut genährtes Vieh auf den Weiden.

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Die Bewohner selber sind irgendwann in der Zeit stehengeblieben. Die Männer tragen lange Bärte, Hüte, dunkle Hose, helles Hemd und Hosenträger. Die Frauen züchtige Kleider mit Schürze und Kopftücher. Die Kinder hellblond und blauäugig. Manche von Ihnen sprechen noch Deutsch, vorrangig jedoch ist das Plattdeutsche, was wir kaum verstehen können so ein Kauderwelsch ist das. Scheu und zurückgezogen leben sie hier, ein Teil hat sich ein Stück Modernität zugesprochen, hat ein Auto und Mobiltelefon. Andere leben noch, streng gläubig, getreu nach Ihren Vorfahren, sind mit Kutschen unterwegs. Für ihr handwerkliches Geschick bekannt zieht es uns nicht zur zum Gaffen in die Gemeinde sondern auch zum fälligen Ölwechsel.

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Nachdem wir schon einige Stunden in der Stadt waren und in diversen Läden eingekauft und gegessen haben, hat es sich wohl rumgesprochen dass wir Deutsche sind und Freund und nicht Feind sind. Die Leute tauten auf, kamen auf uns zu und sprachen uns an und zum Schluss tauschten wir noch mit Jakob die Autokennzeichen.

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Das Land und die vor allem die Menschen haben uns positiv überrascht. Der Exot Zentralamerikas ist definiv einen Besuch wert.

unBELIZEable!

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